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Wie die Social Media den kunsthistorischen Kanon aufwirbeln | art-Magazin

Seien es flauschige Katzenbilder aus dem 19. Jahrhundert oder obszöne Zeichnungen und Malereien unterschiedlichster Zeiten. Offensichtlich etablieren sich bestimmte Künstler und Kunstwerke im Internet besser als andere und erleben sogar eine Renaissance. Bilder der Salonmalerei, die sonst als banal und kitschig galten, finden sich plötzlich unzählig in den Social Media und erlangen in der Kombination mit anderen Bildern sogar nicht selten eine politische Dimension. Dahingegen werden bis dato als Meisterwerke gefeierte Bilder durch Meme und Mash-Ups zu Trash-Produkten degradiert. Doch was bedeutet das für den Werkbegriff der Kunst?

Auf der anderen Seite bekunden Museen ein immer größeres Interesse an dem, was in den sozialen Medien passiert. Ausstellungen werden immer aktueller und thematisieren zusehend die Popularität von Bildgenres des Internets, wie beispielsweise den Selfies. Instawalks, TweetUps oder den simplen Hashtag #museumselfie versucht man Aktiv zur Wiederbelebung von Kunstwerken einzusetzen, die sonst nur wenig Beachtung finden. Und man fragt sich zugleich, ob das eine Form des Banalisierend sei und welche Berechtigung diese haben könnte.  Das wird auf Dauer nicht ohne Konsequenzen bleiben.  Muss die Kunstgeschichte nun neu geschrieben, der Kanon neu aufgestellt werden? Oder lässt sich einfach nicht mehr von dem Kanon sprechen?

Meine Beobachtungen über Kunstwerke im Internet gibt es nun auf der Seite des art-Magazins: Digital ist anders. Hier noch einige wenige Beispiele:

Besonders beliebt sind die Frauendarstellungen von John William Godward  (1861 –1922, oben) und seinem Förderer Lawrence Alma-Tadema (1836-1912, unten).

Auf Blogs wie Visual Ekstasis werden solche Bilder mit der gegenwärtigen Bildwelt kombiniert und erhalten dadurch nicht selten auch einen feministischen Anstrich:

Von links nach rechts: Anja Rubik by Harley Weir For Vogue Paris December 2015; Grimes London UK 2016; Kate Bunce: The Keepsake 1898-1901.
Von links nach rechts: Anja Rubik by Harley Weir For Vogue Paris December 2015; Grimes London UK 2016; Kate Bunce: The Keepsake 1898-1901.

Auf LPA Projects, einem Tumblr des kanadischen Galeristen Guy Berube, auf dem er die Künstler seiner Galerie „La Petite Mort Gallery„mit Fundstücken aus dem Internet vermengt, werden die Werke der Kunstgeschichte eher martialisch interpretiert:

Oben links: Luca Giordano and Sebastian Ricci: The Fall of the Rebel Angels (Details) 1660-1665; darunter: Dina Valls; Barathrum 2003; drittes Bild (oben): Peder Jonsen: Else Jensdatter Plade 1687
Oben links: Luca Giordano and Sebastian Ricci: The Fall of the Rebel Angels (Details) 1660-1665; darunter: Dina Valls; Barathrum 2003; drittes Bild (oben): Peder Jonsen: Else Jensdatter Plade 1687

Und bei Herrensauna werden alte Kunstwerke zu homosexuellen Fantasien:

Hier ein sehr harmloser Screenshot. Oben: Simone Cantarini
Hier ein sehr harmloser Screenshot. Oben: Simone Cantarini.

Sulphoriclike ist hingegen ein reiner Kunst-Blog, auf dem es viele kunsthistorische Schätze zu entdecken gibt, vor allem aber auch interessante zeitgenössische Kunst:

Von links oben nach rechts unten: Li Xiangqun: Hearing Clouds and Snow 2006; Fiona Shaw: Untitled (Exctract On The Nature Of Survival) 2008; Vedovamazzei: My Weakness 2000; Alexandre Falguière: Narcissus, martyr chrétien 1868; Saul Leiter: Lanesville 1958; Peter Hujar: Fran Lebowitz (at Home in Morristown) 1974; Pablo Picasso: La Toilette 1906.
Von links oben nach rechts unten: Li Xiangqun: Hearing Clouds and Snow 2006; Fiona Shaw: Untitled (Exctract On The Nature Of Survival) 2008; Vedovamazzei: My Weakness 2000; Alexandre Falguière: Narcissus, martyr chrétien 1868; Saul Leiter: Lanesville 1958; Peter Hujar: Fran Lebowitz (at Home in Morristown) 1974; Pablo Picasso: La Toilette 1906.

 

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