Lehre

Universität Siegen, Sommersemester 2019

NETZFEMINISMUS

Durch neue Kommunikationsformen und Bildproduktionen in den Sozialen Medien hat der Feminismus eine neue Dynamik erfahren. Auf Twitter wurde mit #aufschrei oder #metoo ein Diskurs über sexuellen Missbrauch entfacht, auf Instagram werden innerhalb der Bodypositve-Bewegung traditionelle Rollenmuster kritisch hinterfragt und ein Gegenprogramm zu bestehenden Schönheitsnormen und Körperidealen entwickelt.
Im Seminar wollen wir den Kampfplatz um das „richtige“ Bild der Frau betreten, das in den Sozialen Medien nicht nur metaphorisch zur Debatte steht. Wir werden dabei besonders die Kultur- und Diskursgeschichte der weiblichen Bildpolitik in den Fokus nehmen – von den Emanzipationsbewegungen im frühen 20. Jahrhundert bis zum netzfeministischen Bilderstreit der Gegenwart.


Universität Siegen, Wintersemester 2018/2019

KÖLN IN DEN 80ERN: SZENE STORIES

Die 1980er Jahre standen im Zeichen der Regierung Kohls, der Gründung der Grünen, von Challenger, Tschernobyl und Waldsterben. Neben dem popkulturellen Mainstream gab es starke Independent-Szenen; neben dem aufkommenden Musikfernsehen kleine Fanzines. Darunter die in Köln gegründete Zeitschrift SPEX, die unter Redakteuren wie Diedrich Diederichsen, Jutta Koether oder Clara Drechsler und in ihrer Verbindung von Pop, Theorie und Politik zu einem der wichtigsten kulturellen Organe der Republik gehörte. Ebenfalls im Köln der 80er Jahre entstand die Künstlergruppe „Mülheimer Freiheit“, in der sich Maler der „Neuen Wilden“ zusammenfanden und die sich ebenfalls als Dissidenten begriffen – gegenüber einer Politik und Kultur, die als apathisch empfunden wurde. Dabei zeichnete sich der „Aufstand gegen eine leergelaufene Protestkultur der 68er, […] gegen müdes Engagement, billig gewordene Moral und selbstgerechte Revolutionsnostalgie“ (Helge Malchow) durch eine Hinwendung zur Pop- und Massenkultur aus.


Universität Siegen, Wintersemester 2018/2019

KULTURBLOG SCHREIBEN

Als Autor*in eines (Kultur-)Blogs kann man für mehr Sichtbarkeit der eigenen Themen sorgen und den Austausch mit Gleichgesinnten forcieren. Aber wie beginnt man einen Blog? Welche thematische Ausrichtung gibt man ihm? Wie findet man relevante Themen? Welche journalistischen Formate eignen sich? Wie vernetzt man sich? Wie sehen Kooperationen mit Institutionen aus? Wie bereitet man Inhalte für Soziale Medien vor? Was ist ein Blogger-Event und wie läuft ein Insta-Meet ab?
Im Seminar werden wir diese Fragen beantworten. Im Zentrum steht das Erproben verschiedener Textgenres: Wir schreiben und analysieren Rezensionen, Kommentare, Glossen und Berichte. Wir erfinden Hashtags, formulieren Tweets, und machen Bilder für Instagram.


Universität Siegen, Sommersemester 2018

 Der Nerd

Er trägt Hornbrille, haust im Keller, ist asozial, misanthropisch, allergisch, unbeliebt bei Frauen; er ernährt sich von Tiefkühlpizza und interessiert sich in besonderem Maße für Technik und Computer: der Nerd. In Literatur, Filmen, Serien und Medienberichten der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit wurde der Nerd zu einer der wichtigsten Kulturfiguren. Eine Analyse dieser populären Figur erlaubt es, den Blick auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft freizulegen, die entsprechende Werte, Sichtweisen und Interessen in die Schlüsselfigur des Nerds projiziert hat. Im Seminar werden wir anhand der Analyse zahlreicher literarischer, journalistischer und filmischer Beschreibungen des Nerds Rückschlüsse auf den Stellenwert und das Verständnis von Theorie, Technik und Arbeit ziehen, auf die Rolle der Frau sowie auf die gesellschaftliche Bedeutung von Popkultur (die der Nerd begehrt) und Hochkultur (die den Nerd nicht interessiert).
Wir werden außerdem nachvollziehen, wie der Nerd in den letzten Jahrzehnten einen Image-Wandel vollzogen hat: vom sonderlichen Außenseiter zum charakterstarken, hochintelligenten Einzelgänger.

Dazu werden wir neben literarischen Darstellungen auch Filme und Serien untersuchen. Z. B. Freaks and Geeks (1999-2000); The IT Cowd (2006-2010), The Big Bang Theory (seit 2007), The Social Network (2010), Scott Pilgram vs. The World (2010).


Universität Siegen, Wintersemester 2017/2018

 Autorschaft in den sozialen Medien

Der Brief, das Tagebuch, die Fotografie, der Film, das Interview und mittlerweile auch soziale Medien wie Facebook, Twitter und Instagram – all das sind Medien, mit denen Autoren sich selbst inszenieren. Anhand einer Reihe von Beispielen – insbesondere der ‚Medienautoren‘ im 20. Jahrhundert (Stefan George, Thomas Mann, Hans Magnus Enzensberger, Peter Handke uvm.) soll die Frage gestellt werden, auf welche Weise die Autoren ein Bild von sich selbst entwerfen. Welche Narrative gebrauchen sie (Autor als Genie, Provokateur, Einzelgänger), mit welchem Habitus treten sie auf (Pfeife rauchen), welche Attribute legen sie sich zu (Hut, Hornbrille). Wir sehen uns die medialen Strategien an: Von den „Bekenntnissen“ des Philosophen Jean Jaques Rousseau bis hin zu den Facebook-Posts der Autorinnen Ronja von Rönne und Stephanie Sargnagel.

Wir lesen die Primärtexte der Autoren und klassische Texte zur Theorie der Autorschaft. Im Mittelpunkt steht die Arbeit an Beispielen. Wir untersuchen Autorenauftritte und Interviews in Radio, Fernsehen und im Netz, analysieren Autorenportraits und interpretieren Facebook-Einträge, Instagram-Posts und Tweets.


Universität Siegen, Sommersemester 2017

Livestreaming-Medien und neue Mündlichkeit

Livestreaming wird als einer der wichtigsten Social Media Trends verhandelt. Dabei gewinnt das Medienformat nicht nur aus Sicht von Konsumenten an Popularität, sondern wird vor allem als Werkzeug zur Kommunikation immer selbstverständlicher. Neben früheren Live-Formaten aus Radio und Fernsehen muss vor allem die Verbildlichung der Sprache durch beispielsweise Emojis oder Gifs innerhalb der Echtzeit-Kommunikation als Wegbereiter gegenwärtiger Live-Kommunikation angesehen werden.
Im Zuge dieser Entwicklungen haben sich neue Mnemotechniken herausgebildet, die mit Mythen und Narrationen vergleichbar sind, wie sie aus vorschriftlichen Zeiten bekannt sind. Insofern kann etwa die Mem-Kultur als Resultat einer neuen Mündlichkeit angesehen werden, die durch Echtzeit-Kommunikation und Livestreaming entstanden ist.

Wir werden sowohl klassische Texte zur Fernseh- und Medientheorie lesen als auch aktuelle Statements zu den sogenannten „neuen Medien“. Zudem werden Beispiele aus einschlägigen Social-Media-Plattformen wie Tumblr, Instagram (Stories) und Snapchat besprochen.