Lehre

Universität Siegen, Sommersemester 2018

 Der Nerd

Er trägt Hornbrille, haust im Keller, ist asozial, misanthropisch, allergisch, unbeliebt bei Frauen; er ernährt sich von Tiefkühlpizza und interessiert sich in besonderem Maße für Technik und Computer: der Nerd. In Literatur, Filmen, Serien und Medienberichten der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit wurde der Nerd zu einer der wichtigsten Kulturfiguren. Eine Analyse dieser populären Figur erlaubt es, den Blick auf das Selbstverständnis einer Gesellschaft freizulegen, die entsprechende Werte, Sichtweisen und Interessen in die Schlüsselfigur des Nerds projiziert hat. Im Seminar werden wir anhand der Analyse zahlreicher literarischer, journalistischer und filmischer Beschreibungen des Nerds Rückschlüsse auf den Stellenwert und das Verständnis von Theorie, Technik und Arbeit ziehen, auf die Rolle der Frau sowie auf die gesellschaftliche Bedeutung von Popkultur (die der Nerd begehrt) und Hochkultur (die den Nerd nicht interessiert).
Wir werden außerdem nachvollziehen, wie der Nerd in den letzten Jahrzehnten einen Image-Wandel vollzogen hat: vom sonderlichen Außenseiter zum charakterstarken, hochintelligenten Einzelgänger.

Dazu werden wir neben literarischen Darstellungen auch Filme und Serien untersuchen. Z. B. Freaks and Geeks (1999-2000); The IT Cowd (2006-2010), The Big Bang Theory (seit 2007), The Social Network (2010), Scott Pilgram vs. The World (2010).


Universität Siegen, Wintersemester 2017/2018

 Autorschaft in den sozialen Medien

Der Brief, das Tagebuch, die Fotografie, der Film, das Interview und mittlerweile auch soziale Medien wie Facebook, Twitter und Instagram – all das sind Medien, mit denen Autoren sich selbst inszenieren. Anhand einer Reihe von Beispielen – insbesondere der ‚Medienautoren‘ im 20. Jahrhundert (Stefan George, Thomas Mann, Hans Magnus Enzensberger, Peter Handke uvm.) soll die Frage gestellt werden, auf welche Weise die Autoren ein Bild von sich selbst entwerfen. Welche Narrative gebrauchen sie (Autor als Genie, Provokateur, Einzelgänger), mit welchem Habitus treten sie auf (Pfeife rauchen), welche Attribute legen sie sich zu (Hut, Hornbrille). Wir sehen uns die medialen Strategien an: Von den „Bekenntnissen“ des Philosophen Jean Jaques Rousseau bis hin zu den Facebook-Posts der Autorinnen Ronja von Rönne und Stephanie Sargnagel.

Wir lesen die Primärtexte der Autoren und klassische Texte zur Theorie der Autorschaft. Im Mittelpunkt steht die Arbeit an Beispielen. Wir untersuchen Autorenauftritte und Interviews in Radio, Fernsehen und im Netz, analysieren Autorenportraits und interpretieren Facebook-Einträge, Instagram-Posts und Tweets.


Universität Siegen, Sommersemester 2017

Livestreaming-Medien und neue Mündlichkeit

Livestreaming wird als einer der wichtigsten Social Media Trends verhandelt. Dabei gewinnt das Medienformat nicht nur aus Sicht von Konsumenten an Popularität, sondern wird vor allem als Werkzeug zur Kommunikation immer selbstverständlicher. Neben früheren Live-Formaten aus Radio und Fernsehen muss vor allem die Verbildlichung der Sprache durch beispielsweise Emojis oder Gifs innerhalb der Echtzeit-Kommunikation als Wegbereiter gegenwärtiger Live-Kommunikation angesehen werden.
Im Zuge dieser Entwicklungen haben sich neue Mnemotechniken herausgebildet, die mit Mythen und Narrationen vergleichbar sind, wie sie aus vorschriftlichen Zeiten bekannt sind. Insofern kann etwa die Mem-Kultur als Resultat einer neuen Mündlichkeit angesehen werden, die durch Echtzeit-Kommunikation und Livestreaming entstanden ist.

Wir werden sowohl klassische Texte zur Fernseh- und Medientheorie lesen als auch aktuelle Statements zu den sogenannten „neuen Medien“. Zudem werden Beispiele aus einschlägigen Social-Media-Plattformen wie Tumblr, Instagram (Stories) und Snapchat besprochen.