Zwei Radiointerviews

Portraits of Courage

Mit Stephan Karkowsky habe ich im Deutschlandfunk Kultur über das neue und zugleich erste Kunstbuch von Expräsident George W. Bush gesprochen. Darin sind Portraits von Veteranen versammelt – und zwar jene, deren Oberbefehlshaber Bush selbst gewesen ist.

Wir unterhalten uns darüber, inwiefern die Publikation als Gestus der Wiedergutmachung zu verstehen ist oder doch auch als Ehrerweisung wahrgenommen werden kann. Mehr dazu in meinem Text „Der Künstler George W. Bush.

Hier geht es zum Radiointerview.


Popkultur im Fokus der Neuen Rechten

Warum verachten Anhänger der Neuen Rechten die Popkultur? Das war Thema meines Gesprächs mit Tanja Runow im Deutschlandfunk. Darin unterhalten wir uns vor allem über ein YouTube-Video von dem britischen Infowars-Autor Paul Joseph Watson mit dem verschwörungstheoretisch klingenden Titel „The Truth About Popular Culture“, in dem er die Popkultur als verachtungswürdig darstellt, während die „Hochkultur“ – zu der Shakespeare und Beethoven, nicht aber zeitgenössische Kunst zählen – eine Verklärung erfährt. Dass der Erzählung des YouTube-Videos tatsächlich eine Verschwörungstheorie zugrunde liegt – die des sogenannten „Cultural Marxism“ – ist jedoch keine Ironie, sondern sehr ernst gemeint.

Mein Beitrag hat leider nicht zu einem Perspektivwechsel beigetragen.

Außerdem reden wir über Entgrenzung – für selbsterklärte Neue Rechte die Zielscheibe ihres Hasses: auf politischer wie kultureller Ebene. Watson spricht in seinem Video sogar von einem „Integrationsversuch“ trivialer Gegenstände in die Hochkultur. Eine eindeutige Analogie: Wie wir jeden Flüchtling in unser Land lassen, wird auch jede Trivialität in die Kunst aufgenommen – so der Kern der Kritik.

Aber es geht auch darum, dass der Vorwurf der Entgrenzung nicht haltbar ist. Denn es gibt sie durchaus: Grenzen. Die Kulturlandschaft ist gar nicht so tolerant, wie es scheint, es wird sehr wohl unterschieden – etwa zwischen Miley Cyrus und einem Reality Star. Unsere Grenzen sind zudem ausdifferenziert: Es gibt klassische Musik, die sich am Pop orientiert, Popmusik, die Züge experimenteller Sound Art trägt, es gibt echten Trash und ironischen Trash und vieles mehr. Immer wieder wird neu verhandelt, was irgendwo dazugehört und was ausgegrenzt werden muss.

Wenn also Paul Joseph Watson Lena Dunham auf gleiche Ebene stellt wie einen Big Brother-Star und schließlich Duchamps Pissoir, dann entpuppt sich seine Kritik an der fehlenden Grenze zwischen „hoher“ und „niederer“ Kultur als bewusster Angriff auf die durchaus existierenden gegenwärtigen Unterscheidungen und Kriterien. Daran zeigt sich: Wer Grenzen vermisst, kann sie vielleicht bloß nicht erkennen.

Mehr dazu in meinem Essay „Die Verachtung der populären Kultur durch die Neuen Rechten.

Hier geht es zum Radiointerview.

Noch eine Anmerkung. Es gibt bereits einige Antworten auf das Video von Paul Joseph Watson. Auch theneedledrop hat seine Reaktion auf YouTube veröffentlicht:

 

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