Es müsse einen guten Grund geben, heute noch Bilder an die Wand zu hängen – sagt Sebastian Riemer

Wer glaubt, alles schon gesehen zu haben, oder einfach sehr viel sieht – jeden Tag, überall, im Internet – der findet manchmal das Besondere im längst Vergangenen. Der sucht nach Bildphänomenen, die es heute nicht mehr gibt und die deshalb wieder interessant sind. So geht es wohl Sebastian Riemer, der auf Ebay nach alten Pressefotografien Ausschau hält – vor allem nach retuschierten. Und auch seine Kollegen Thomas Ruff und Bogomir Ecker finden in diesen Bildern etwas Unentdecktes, Überraschendes, das einen guten Grund liefert, an die Wand gehängt zu werden. Im Folkwang Museum in Essen stellen die drei Künstler ihre auf den alten Fotografien basierenden Arbeiten aus.

Gemeinsam mit Sebastian Riemer bin ich durch die Ausstellung gegangen. Unser Gespräch, zugleich eine Rezension, kann auf der Seite von art – Das Kunstmagazin vollständig gelesen werden. Hier bereits ein Ausschnitt:

„[…] Unser erstes Gesprächsthema dreht sich ums „Sammeln“, das müsse ihn doch interessieren, sage ich, schließlich sind die Fotografien, mit denen er künstlerisch arbeitet, herkömmlicherweise beliebte Sammlerobjekte. Ich denke dabei an die unzähligen Bilder auf Flohmärkten, wobei es sich bei ihnen meistens um Amateurfotografien handelt. In den letzten Jahrzehnten haben viele Künstler derartige Bilder zum Anlass genommen, sich mit dem „Es-ist-so-gewesen“ eines Roland Barthes, dem Begriff der Aura eines Walter Benjamin oder dem Tod des Abgebildeten – kurz: mit den Klassikern der Fototheorie – auseinanderzusetzen. Riemer hingegen verliert über Foto- und Medientheorien kaum ein Wort, und das freut mich. Auf Benjamin kommt er trotzdem zu sprechen: Dieser sei auch Sammler gewesen. […]

[…] In seiner Jugend hat Riemer Magic-Karten gesammelt. Irgendwann versteigerte er sie auf Ebay, um mit dem erworbenen Geld seine erste Mittelformat-Kamera zu kaufen. Eine schöne Anekdote. Heute fotografiert er immer noch – meistens bereits vorhandene Bilder oder Kunstwerke. Einige dieser abfotografierten Arbeiten sind auch im Museum Folkwang zu sehen. Etwa das für einen Pressebericht präparierte Foto eines Eiskunstläufers oder einer Akrobatin. Eigentlich mache er Dokumentarfotografie, sagt Riemer. Er dokumentiert den Ist-Zustand dieser alten Bilder.

Es müsse einen guten Grund geben, heute noch Bilder an die Wand zu hängen, sagt Riemer plötzlich. Er meint natürlich die Museumswand. Und welche Gründe könnten das sein, frage ich. Bilder, die er noch nicht gesehen hat. Jetzt bin ich neugierig: Gibt es sie denn doch, Bilder, die die Welt noch nicht gesehen hat? Ja, die gibt es, beginnt er mir zu erzählen. […]“

Zum Weiterlesen: hier.

Zur Ausstellung (noch bis 5. Juni 2017): hier.

Zur Website von Sebastian Riemer: hier.

Zu einem Beitrag über Fototheorie in Bilder: hier.

Das Titelbild ist von Sebastian Riemer (»Speed Skater (Leow)«, 2017, 151 x 194 cm, Pigmentprint).

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