„SUPER“ in der Kunsthalle Darmstadt und fünf Videointerviews

Anfang diesen Jahres habe ich in der Kunsthalle Darmstadt „SUPER“ eröffnet, eine Gruppenausstellung von fünf jungen Malerinnen: Ellen Akimoto, Mona Broschár, Ivana de Vivanco, Franca Franz und Stefanie Pojar.

Wie ich auch verbrachten die in den 1980er-Jahren geborenen Künstlerinnen ihre Kindheit und Jugend in den Boomjahren der Neunziger und der Jahrtausendwende, Zeiten, die vielerorts von wirtschaftlichen Superlativen und einem fiebrigen Daueroptimismus geprägt waren, die aber auch Voraussetzungen schufen für vieles, das kommen sollte und die Welt heute – aber nicht erst seit Corona – aus den Fugen zu heben droht.

SUPER beschreibt deshalb, so abstrakt und lapidar der Titel auf den ersten Blick erscheint, auf ziemlich prägnante Weise den gemeinsamen generationellen Erfahrungshorizont. Die Kultur, in der wir aufgewachsen sind und die uns natürlich auch geprägt hat. Bei SUPER darf man gerne an „Super-Nintendo“, „Supermodel“, „Deutschland sucht den Superstar“, Super-Helden oder an Redeweisen wie „super cool“ oder „super stark“ denken. Das Verhältnis zu dieser – ich nenne es mal – SUPER-Kultur, die eben auch eine populäre Kultur ist, unterscheidet diese, unsere Generation, von den bisherigen.

Aber: Auf den Bildern und Skulpturen sind nicht Mario und Luigi, Heidi Klum und Dieter Bohlen, auch keine Superhelden-Comicstripes zu sehen. Nein, man sieht anstattdessen Häufen, Vasen, Blumentöpfe, Alltagssituationen und Gegenstände, aber auch deren Transzendierung in abstrakte Form- und Farbwelten. 

Die gemeinsame popkulturelle Sozialisation ist demnach nicht explizit, sondern nur implizit präsent. Sie drückt sich nicht in den Motiven aus, sondern vielmehr in einer Haltung, die sich ebenfalls unterscheidet von früheren Generationen. Ihr Verhältnis zur – im weitesten Sinne Populärkultur – ist auf eine Art distanziert, nur in Farben und Formen präsent –, basiert aber zugleich auf ‚echter‘ Nostalgie. Natürlich muss es dabei auch hin und wieder ein Augenzwinkern geben: Den Arbeiten liegt allesamt eine Perspektive zugrunde, die zwischen Ironie und Ernst changiert. Die fröhliche Unbeschwertheit droht dann zu kippen.

Am besten beschreibt SUPER aber die spezifische Haltung zur Kunst. Kunst einfach nur ‚super‘ zu finden, mag für manche ein Affront sein. Für die fünf Malerinnen und mich ist es das größtmögliche Kompliment. Kunst, die ‚super‘ ist, ist eine Kunst, vor der man keine Angst haben muss, der man sich ungeniert und unbefangen nähern kann. Eine Kunst, deren Bedeutung sich vielleicht nicht immer sofort erschließt, die sich aber auch nicht hinter ihrer Unergründbarkeit versteckt. Eine Kunst, die nie einfach nur unverständlich ist. Eine Kunst, in deren Geheimnisse man nicht unbedingt eingeweiht sein muss. Eine Kunst eben, die es erlaubt, dass man sie ‚super‘ nennt. 

Natürlich musste auch „Super“ in den letzten Wochen geschlossen bleiben. Dafür gibt es die Ausstellung jetzt als 360°-Rundgang online zu sehen.

Anstatt eines Künstlerinnengesprächs vor Ort habe ich Kurzinterviews per Video mit Ellen Akimoto, Mona Broschár, Ivana de Vivanco, Franca Franz und Stefanie Pojar geführt:

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