Bei »NUN« über politische Kunst

Am Mittwoch war ich zu Gast bei NUN – Die Kunst der Stunde in Berlin und habe mit Annika von Taube und Via Lewandowsky diskutiert, wie politisch und provokativ Gegenwartskunst eigentlich ist. Zur Sprache kam die 1987 gegründete Aktionsgruppe „Autoperforationsartisten“, bei der Lewandowsky neben Else Gabriel, Micha Brendel und Rainer Görß Mitglied war: im Vergleich dazu zeigt sich aktuelle politische Aktionskunst nicht als gegenkulturell (auch wenn sie sich selbst so inszeniert), sondern konform. Sie entspricht in ihrer Haltung den tagtäglichen Feuilleton-Beiträgen und wird von Institutionen und Kuratoren gefördert.

Aktionen wie vom Zentrum für Politische Schönheit oder die Kunst von Ai Weiwei sind zudem nicht an Gegner, sondern an Gleichgesinnte adressiert. Zwar wird Bernd Höcke explizit angegriffen, als Kunst richtet sich die Arbeit jedoch vor allem an ein entsprechendes Publikum aus dem etablierten Kulturbetrieb. Kritiker wie ich, werden sofort auf Social-Media-Kanälen geblockt. Damit zeigt sich politische Kunst – und mit ihr die Kunstwelt im Allgemeinen – als sehr homogen und weiß das auch zu pflegen.

Außerdem sprachen wir über die Rezeption: Linke politische Kunst wird zu oft einfach nur durchgewinkt. Zum Beispiel bei der Plakataktion zur letzten Bundestagswahl von Wolfgang Tillmans, die zwar auf sämtlichen Timelines und Newsfeeds zahlreich geteilt und gelobt wurde – ohne jedoch eine einzige tiefgehendere Besprechung erfahren zu haben. Keiner versuchte die Motive zu interpretieren oder einzuordnen. Damit nimmt man eine solche künstlerische Aktion oder Intervention aber auch nicht ernst. Es braucht definitiv und vor allem im Netz eine klügere Kunstkritik.

Wir haben noch viel mehr angesprochen. Hier kann der Talk angesehen werden:

12 Comments

  1. Mirko

    Gibt es irgendwelche Belege für die Aussage, „Aktionen wie vom Zentrum für Politische Schönheit oder die Kunst von Ai Weiwei sind zudem nicht an Gegner, sondern an Gleichgesinnte adressiert.“ ? Oder ist das nur eine Behauptung (anders gesagt: eine Agenda, eine Ideologie, die Sie haben)?
    Woher wissen Sie denn, bei wem diese Aktionen etwas bewirken bzw. nicht bewirken? Quellen?

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    1. Annekathrin Kohout

      Lieber Mirko,
      eine Ideologie? Das verstehe ich nicht so recht. Es ist eine Beobachtung, die aus meinen persönlichen Erfahrungen resultiert – zum Beispiel, wenn Kritik nicht zugelassen wird. Aber auch darüber hinaus: man kann etwa den Arbeiten ansehen (denken Sie an die Höcke-Aktion), dass es nicht an – sondern gegen AfD-Sympathisanten gerichtet ist. Und damit umgekehrt und explizit an AfD-Kritiker. Damit ist es an Gleichgesinnte adressiert – und entspricht zudem einem zumindest im künstlerischen Milieu vorherrschenden Konsens. Wie sehen Sie das denn?

      Herzlich, AK

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  2. Mirko

    Ich finde Ihre Argumentation sehr schwach, ein rein subjektiver Eindruck, eine Interpretation wie man sie genauso gut auch umgekehrt führen könnte. Ich sehe das, was Sie behaupten, den Arbeiten nicht an. Und jetzt? Wer hat Recht? Keiner, man so weder für noch gegen argumentieren.

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    1. Annekathrin Kohout

      Lieber Mirko,
      wer Recht hat? Geht es wirklich darum? Wenn das Ihr Anliegen ist, so müsste ich erst wissen, was Sie darüber denken, welche Meinung Sie vertreten. Was stört sie? Welche Art von Quellen und Beweisen suchen Sie? Interpretieren Sie die Ausrichtung der Höcke-Aktion anders, wenn ja: wie? Was bezweckt sie denn Ihrer Ansicht nach? Für mich ist es eine Kritik an Höcke – als Person, aber auch als Repräsentant einer Partei, die wiederum für eine bestimmte Gesinnung steht.

      Herzlich, AK

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      1. Mirko

        Mich stört Ihre initiale Behauptung, die Aktion richte sich (primär) an Gleichgesinnte. Das ist nichts als eine Behauptung, sie ist weder verifizierbar noch falsifizierbar, dass Sie trotzdem äußern, so wäre meine Vermutung, liegt an Ressentiments gegen politische Aktionskunst.

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      2. Annekathrin Kohout

        Lieber Mirko,
        schade, dass Sie mir nicht antworten. So müssen wir es wohl dabei belassen. Ich finde es gibt gute und schlechte politische Aktionen (aber ja, einige vom ZPS finde ich nicht gut) und es ist meiner Ansicht nach immer wichtig, Absichten und Wirkung zu hinterfragen – und zu diskutieren. Daher fände ich es toll, wenn Sie mich wissen ließen, welche anderen Beobachtungen Sie gemacht haben! Meine Meinung ist nämlich nicht in Stein gemeißelt. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen schönen Abend.

        Herzlich, AK

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      3. Mirko

        Ich habe alle möglichen Reaktionen darauf erlebt, über *Wirkungen* aber würde ich mir nicht anmaßen etwas zu behaupten, denn Wirkungen von Kunst sind äußerst selten messbar. Keine Ahnung, welches AfD-Mitglied durch die Aktion umgestimmt oder radikalisiert worden ist, ich glaube nicht, dass irgendjemand darüber eine belastbare, argumentativ nutzbare Aussage treffen kann,man müsste schon in die Köpfe hineinkucken können. Über die ästhetische Qualität von Kunst kann man streiten, über Moral dabei gewiss auch, über vermeintliche Wirkungen oder Intentionen nicht, wer damit anfängt, bringt schon eine Meinung mit, für die er Behauptungen über die Wirkung instrumentalisiert.

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      4. Annekathrin Kohout

        Lieber Mirko,
        es geht hier auch um politisches Handeln. Es ist eben nicht ‚nur Kunst’, wobei man sich mit einen solchen Etikett natürlich wunderbar immunisieren kann. Natürlich darf man fragen, ob mit einer solchen Aktion AfD-Mitglieder radikalisiert wurden. Und wenn man es nicht darf, so mache ich es eben einfach trotzdem.

        Es grüßt: AK

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