Livestreaming | POP. Kultur & Kritik 10

„Because it’s live, there is no way it can be curated. And because of that it frees people up to be themselves“, hat Mark Zuckerberg in einem Interview von 2016 gesagt und damit gleichzeitig ein Ziel formuliert: Nämlich die Kommunikation der Zukunft so zu gestalten, dass sie sich nicht mehr medial vermittelt anfühlt, ja, dass die Medialität sogar in Vergessenheit geraten kann. Doch dafür müssen allen voran die Hemmungen – etwa beim Filmen oder Fotografieren der eigenen Person – verschwinden. Hemmungen entstehen wiederum, sobald ein Foto oder Video als Werk wahrgenommen wird, als ein mehr oder weniger schöpferisches Produkt, für das sich inszeniert wurde und das schließlich auch der Bewertung ausgesetzt ist.

Wie kann es also möglich sein, das Gefühl der Werkhaftigkeit angesichts von Bildern und Filmen zu verlieren, sie gar einfach als Ausdrucksform des Mündlichen zu verstehen? Die bisherigen Vorgänge im Social Web zeigen: entweder über Virtualisierung, die aktiv gegen Hemmschwellen vorgeht – zum Beispiel, wenn sich Nutzer auf Snapchat einfach eine Linse aufsetzen können, anstatt darüber nachzudenken, wie man sich nun inszenieren könnte.

Oder aber mithilfe des Livestreams. Was das Livestreaming im Social Web auszeichnet und warum es sich fundamental vom „Prinzip Live“ des Fernsehzeitalters unterscheidet, kann in meinem Multimedia-Beitrag „Livestreaming is Life“ in der aktuellen Ausgabe von „POP. Kultur & Kritik“ gelesen werden.

Es ist die 10. und damit zugleich eine Jubiläumsausgabe. Thomas Hecken, der die Zeitschrift 2012 gegründet hat, schreibt über Donald Trumps Fetisch für Einschaltquoten – und damit für Quantität –, bei gleichzeitiger Beschwörung von Essenz (des ‚wahren Volkes‘). Elena Beregow zeigt, was reine und unreine Düfte auszeichnet. Simon Bieling schreibt über Keksoberflächen. Wolfgang Ullrich über die Serialität in der Kunst. Ekkehard Knörer resümiert 20 Jahre eigenproduzierte Serien von HBO, die mit „Oz“ ihren Anfang nahmen. Jörg Scheller macht deutlich, wie sich Pop professionalisiert hat (und jetzt „Prop“ ist). Weitere Beiträge gibt es über Fan Fiction, Toni Erdmann, Queerness, Action Cams und noch viel mehr: Das kom
plette Inhaltsverzeichnis gibt es hier.

2 Comments

  1. Elisabeth

    Du schreibst Zuckerberg will die Kommunikation der Zukunft so gestalten, dass sie sich nicht mehr medial vermittelt anfühlt, ja, dass die Medialität sogar in Vergessenheit geraten kann.
    Was genau kann ich denn unter Medialität verstehen?

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  2. Annekathrin Kohout

    Liebe Elisabeth,

    Medialität bedeutet hier erstmal nur: durch ein Medium vermittelt.
    Am besten versteht man meinen Punkt vielleicht über den Vergleich mit der mündlichen Sprache: wenn wir uns üblicherweise miteinander unterhalten, dann denken wir dabei nicht an das Medium – in diesem Fall unsere Stimme. Man redet und vergisst darüber das Medialität des Gesagten. Und weil wir (meistens) nicht daran denken, kann man mehr oder weniger hemmungslos sein in Bezug auf die Ausdrucksform. Natürlich gibt es noch andere Hemmschwellen – wie etwa Konventionen – aber eine ist eben auch die Präsenz des Mediums.

    Bei Bildern und Videos ist uns da Medium (weil es fast immer ein Speichermedium ist) präsent, egal ob es sich dabei um Fotopapier handelt oder um einem Ort auf der Facebook-Timeline. An diese Präsenz knüpfen sich wiederum Ansprüche, die variieren, je nachdem welche Rolle (in dem Bsp. Fotograf oder Abgebildeter) man innehat. Man möchte also gut darauf aussehen oder ein gutes Bild gemacht haben.

    Deswegen haben sich Bilder unter diesen Bedingungen lange Zeit nicht gut als Medien mündlicher oder spontaner Kommunikation geeignet. Aber in den letzten Jahren gab es diverse Versuche, die Bedienungen zu verbessern, um die Kommunikation mit Bildern oder Videos im Netz der mündlichen im ‚Real Life‘ anzunähern. Ein Beispiel ist etwa die erste Version von Snapchat, als es noch keine Speicherfunktion gab und die Videos sich nach dem Ansehen immer gelöscht haben.

    Grüße
    Annekathrin

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