#afterbabybody-Wut: Bilder, die provozieren

Mit einem Instagram-Foto löst Nike van Dinther von dem Mode-Blog  „This is Jane Wayne“ Kritik aus. Schon wieder ein Bild, das provoziert, obwohl es gar nicht provozieren will. Warum? Die Geschichte einer Empörung.

Als Nike von Dinther von „This is Jane Wayne“ in der vergangenen Woche ein Foto hochgeladen hat, mit dem sie sich bei ihrer Partnerin „sarah_jane“ für einen Bikini bedanken wollte, war ihr noch nicht bewusst, welch große Empörung sie damit auslösen würde. „Summer, I’m ready“ und „Thank you, @sarah_jane“ notiert sie unter das Bild. Auf den ersten Blick ein ganz normales Instagram-Foto.

Doch nur kurze Zeit später löst das Bild Kritik aus, die Autorin muss Kommentare und Hashtags wie „#morgenkaffeemittagskotzen“ oder „#dünnumjedenpreis“ von ihrer Seite löschen, erfährt man auf ihrem Blog. Und sie erhält eine Email, in der man ihr den Vorwurf macht, sie sei eine Gefahr: „Deine Zurschaustellung kranker Schönheitsideale ist nicht nur für dich gefährlich, sondern auch für deine Leser.“

Man muss das Leben von Nike van Dinther verfolgt haben, um zu verstehen, was im Argen liegt: vor acht Monaten hat sie ein Kind bekommen. Und von ihrem Foto fühlen sich nun jene provoziert, die nach über einem halben Jahr nicht wieder ihr Idealgewicht erreicht haben. Es sind Mütter, die sich von dem Hashtag #afterbabybody herausgefordert fühlen.

Doch hat Nike van Dinther ihr Bild gar nicht mit diesem Hashtag versehen, erst in einem der Kommentare wird dieser ihrem Foto hinzugefügt. Man darf also davon ausgehen, dass sie das Bild wohl im Sinne eines gesunden Stolzes, gewiss aber nicht im Sinne einer Provokation an die Öffentlichkeit adressiert hat. Umso erstaunlicher, dass dieses Bild so falsch interpretiert wurde.

Ein bisschen erinnert dieser Vorfall an die Fotos der stillenden Mütter, die erst kürzlich dazu geführt haben, dass sich jene Frauen diskriminiert fühlten, die nicht stillen wollen oder können.

Doch wodurch provozieren diese mehr als harmlosen Bilder? Was macht sie in den Augen ihrer Betrachter gefährlich? Womöglich entsteht ihre Gefährlichkeit erst durch eine fehlerhafte Rezeption.

Ein Musterbeispiel für eine solche fehlerhafte Rezeption lieferte auch Laura Ewert mit ihrem Artikel in der Welt, als sie Instagram-Bilder im Allgemeinen als Provokation wahrgenommen hat und von einem „Wettrüsten im Privaten“ sprach. „OMG, you are so pretty!“ äfft Ewert den vermeintlich typischen Instagram-Kommentar nach. OMG, you are so jealous.

Doch vergessen Laura Ewert wie auch Nike van Dinthers Leser, dass Instagram-Bilder nur suggerieren, privat und authentisch zu sein. Paradoxerweise entsteht diese Ästhetik des Authentischen gerade dadurch, dass die Inszenierung der Bilder geradezu penetrant vorgeführt wird. Das Bild macht dann glauben, es könne gar nichts mehr verstecken, weil es doch alles zeigt, alles zu sehen ist. Dabei zeigen die Bilder nur Einblicke in ein Leben. Und dabei ist die Neigung ganz natürlich, eher einen schlanken Bauch als einen schlaffen Busen der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen. Es muss also verstanden werden, dass auch diese Bilder Werbebilder sind und sie mit den gleichen Maßstäben bewertet werden sollten. Geworben wird oftmals für sich selbst, im Fall von Nike von Dinther aber auch für andere. Da sie sowohl offizielle und nicht nur private Werbeträgerin ist, sind die Reaktionen auf ihre Bilder ein umso besseres Beispiel dafür, das endlich ein Umgang mit neuen Werbeästhetiken gelernt werden muss.

Doch noch ein weiterer Fehler bei der Betrachtung von Bildern auf Instagram muss behoben werden: dass der Leser geneigt ist, sie zu isolieren.

Nike van Dinthers Bild ist auch deshalb keine intendierte Provokation, weil das nicht das erste und womöglich nicht das letzte Bikini-Foto war, was man von ihr zu sehen bekommt. Denn ein Instagram-Account erzählt eine Geschichte. In jedem Sommer gibt es Bikini-Bilder.

Natürlich repräsentiert Nike van Dinther ein Schönheitsideal. Und der Vorwurf der Provokation ist auch deshalb traurig, weil von ihm der Vorwurf des Neides zurückkommt. Warum wird es nicht belohnt, wenn Frauen zu sich stehen? Wenn sie selbstbewusst sind und ihre Vorzüge betonen? Ist es nicht das, was Männer angeblich viel besser beherrschen? Warum darf man als Frau nur den Geist zu Schau stellen, nicht aber den Körper? Warum sollte ein Bild, auf dem ein schlanker Bauch zu sehen ist, „gefährlich“ sein und nicht einfach nur schön anzusehen?

Weil Bilder auf Instagram, wie auch Posts auf Facebook, Twitter und Co. zu Medien der Bekenntnis geworden sind. Man bekennt sich mit ihnen zu einem Lebensstil, einer Haltung oder bestimmten Werten. Daher sollte dringend ein neuer Umgang mit Bildern erlernt werden.

 

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